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** in german language


FRANKS CZAPLINSKIS GLASFENSTER
in der Kapelle St.Martin in Langenfeld Richrath

Mit seiner parabolischen äußeren Form fällt die Kapelle St. Martin bereits beim Betrachten von Weitem auf. Wer sich ihr von Westen oder Osten nähert, wird von der Glasfassade angezogen mit ihren farbigen Malerei. Fassade und Architektur fügen sich harmonisch zu einer symbolischen Bauform zusammen.

Auf den ersten Blick wird das Gebäude als ein nicht-alltäglicher Raum an einem nicht-alltäglichen Ort erfahrbar. Wer den Friedhof betritt und zu der Kapelle geht, erfährt die Besonderheit dieses Ortes. Auf dem Friedhof ist die Gegenwart des Todes spürbar. Nicht nur die Grabsteine, auch die Natur verweist auf ihn: Viele Pflanzen symbolisieren das ewige Leben ("Lebensbaum") oder sind typische Grabbepflanzungen. Diese Natursymbolik findet ihre Entsprechung in der Gestaltung der Kapelle. Ihre Form findet sich nicht in solcher Reinheit in der Natur. Sie setzt ein geometrisches Modell um. Als mathematische Funktion scheint sie dem Leben entgegengesetzt zu sein und zugleich mit diesem verbunden.

"Parabel" bedeutet ursprünglich "vergleichen"; sie ist ebenso ein Gleichnis. Seine Bahnen führen zu einem Brennpunkt hin oder gehen von diesem aus in das Unendliche. Eine Parabel lässt sich unterschiedlich deuten: wie ein Planet, der nach der größten Annäherung wieder wegstrebt - oder wie eine Dynamik, die aus dem Unendlichen zu dem Brennpunkt hinführt, wie in St. Martin. Hier ist der Brennpunkt ganz oben, dem Himmel am nächsten. Die Parabelbahnen führen in die Tiefe. Sie verbinden den Ort der Toten mit dem des ewigen Lebens.

Inmitten der symbolischen Räume des Friedhofs und der Kapelle, inmitten dieser Verweise auf die Beziehung von Geist und Natur zum Tod und der christlichen Auferstehungshoffnung fällt die östliche Fensterfassade auf mit einer Steigerung der Symbolkraft. Es scheint ganz abstrakt zu sein, nur ein Baumstamm ragt aus den Wucherungen heraus, die sich von den unteren Ecken her in die Fläche ausbreiten. So nimmt das Bild die architektonische Form auf. Und es verschmilzt deren mathematische Strenge mit der Unordnung der Natur vor der Kapelle; viele Bäume gibt es dort, und sie wachsen nicht im Spalier. In christlichem Verständnis verkörpern sie aufgrund ihrer Vitalität und Dauerhaftigkeit das Leben schlechthin. Der paradiesische "Baum des Lebens" und Christi Kreuz werden aufeinander bezogen: von jenem kam den Menschen der Tod, von diesem das Leben.

Sichtbar wird dieser Bezug durch die Abstimmung der Fenstergestaltung mit der des Altarkreuzes im Kapelleninnern. Es hängt im Raum in großer Höhe, ähnlich einem mittelalterlichen Triumphkreuz. Genau in dem hinter dem Kreuz liegenden zentralen Bereich spart das Ostfenster Farbe aus. Ein Lichtkanal entsteht, der zu dem Kreuz führt.

Das Fenster leuchtet in vielen Farben wie Blumen und gerade im Herbst das Laub. Dabei fällt die Entsprechung der Jahreszeit mit dem "Herbst des Lebens" nicht ins Gewicht. Stärker wiegt der Eindruck des Lebendigen. Ist die Parabel der Kapelle ein Tor, so vermittelt das Glasbild die alte christliche Vorstellung, der Tod sei das Tor zum ewigen Leben.
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